Glossar der Ziehharmonika-Begriffe (Balg, Bassknopf, Diskant …)

Diese Referenzseite bietet eine systematische Übersicht der Fachterminologie im Bereich der Ziehharmonika und des Akkordeons. Sie dient als technisches Glossar für die Konstruktion, Tonerzeugung und die verschiedenen Spielsysteme dieser Handzuginstrumente.

1. Hauptkomponenten des Instruments

Ein Akkordeon besteht strukturell aus drei Hauptbaugruppen: dem Diskantteil, dem Bassteil und dem verbindenden Balg [1].

Begriff Beschreibung / Funktion Technische Details
Balg Das elastische Verbindungselement zwischen Diskant- und Bassteil. Erzeugt durch Ziehen und Drücken den notwendigen Luftstrom (Unter- bzw. Überdruck) zur Tonerzeugung [2].
Diskant Die rechte Seite des Instruments, auf der primär die Melodie gespielt wird. Ausführung als Klaviatur (Piano-Akkordeon) mit 26 bis 45 Tasten oder als Knopffeld (Knopfakkordeon) [1].
Bass Die linke Seite des Instruments zur rhythmischen und harmonischen Begleitung. Verfügt über Knopfreihen, die je nach Modell zwischen 12 und 140 Knöpfe umfassen [2].
Gehäuse Die festen Rahmenteile (meist aus Holz oder Kunststoff), die die Mechanik umschließen. Oft mit Celluloid beschichtet; dient als Resonanzkörper und Träger der Stimmstöcke [3].
Register Schaltmechanismen zur Veränderung der Klangfarbe. Kombinieren verschiedene Chöre (Stimmzungensätze) durch Öffnen oder Schließen von Luftkanälen [4].

2. Fachbegriffe der Tonerzeugung und Mechanik

Stimmzunge (Durchschlagzunge)
Ein elastischer Metallstreifen (meist aus Federstahl), der durch vorbeiströmende Luft in Schwingung versetzt wird und so den Ton erzeugt [3].
Stimmplatte
Metallplatte (oft Aluminium), auf der die Stimmzungen paarweise (für Zug und Druck) aufgenietet sind [2].
Stimmstock
Hölzerner Block im Inneren des Gehäuses, auf dem die Stimmplatten montiert sind. Er enthält die Kanzellen (Luftkammern) für die einzelnen Töne [3].
Cassotto (Tonkammer)
Ein spezieller Resonanzraum im Diskantteil, in dem ein oder zwei Chöre im 90-Grad-Winkel zu den anderen liegen. Dies dämpft Frequenzen über 1000 Hz und verstärkt den Bereich zwischen 500 und 1000 Hz, was zu einem weicheren, "runderen" Klang führt [5].
Helikonbass
Besonders große Stimmzungen, die vor allem in der Steirischen Harmonika verbaut werden. Sie erzeugen einen kräftigen, tiefen Klang ähnlich einer Tuba. Die Frequenzen liegen typischerweise zwischen 32,7 Hz (Kontra-C) und 98 Hz (G) [6].
Chörigkeit
Gibt an, wie viele Stimmzungen pro Taste gleichzeitig klingen können. Gängig sind 2- bis 5-chörige Instrumente [4].

3. Bass-Systeme und Konfigurationen

Die linke Seite des Instruments unterscheidet sich primär durch die Anordnung und Funktion der Bassknöpfe.

System Merkmale Anzahl Knöpfe (Standard)
Stradella-Bass (Standardbass) Feste Reihen für Grundbässe, Terzbässe sowie Dur-, Moll-, Sept- und verminderte Akkorde [7]. 12, 48, 72, 96, 120 [8].
Melodiebass (MIII / Free-bass) Ermöglicht das Spielen von Einzeltönen über mehrere Oktaven auf der Bassseite, analog zum Diskant [2]. Variiert; oft in Kombination mit Converter-Mechanik.
Wechseltönig (Diatonisch) Erzeugt bei Zug und Druck unterschiedliche Töne pro Taste (typisch für Steirische Harmonika) [1]. Je nach Modell (z.B. 3- oder 4-reihig).
Gleichtönig (Chromatisch) Erzeugt bei Zug und Druck denselben Ton pro Taste (Standard bei Piano- und Knopfakkordeons) [1]. Bis zu 120 (Bass) / 45 (Diskant).

Last verified: 2026-06-27

4. Quellen

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