Motivation für Ziehharmonika behalten trotz Schichtarbeit und wenig Zeit

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Es ist kurz nach halb eins nachts. Die Station war heute wieder ein einziger Sturmlauf, die Monitore in der Kardiologie haben gefühlt ununterbrochen gepiept, und meine Beine fühlen sich an, als gehörten sie jemandem, der gerade einen Marathon hinter sich hat. Ich ziehe die Schuhe im Flur aus, die Wohnung in Warnemünde ist still, nur das leise Rauschen der Ostsee dringt durch das gekippte Fenster. Und da steht sie, zwischen dem alten Kupferkessel und meiner Briefmarkensammlung: meine kleine Zweireihige.

Eigentlich bin ich viel zu müde. Aber ich weiß, wenn ich mich jetzt einfach nur vor den Fernseher werfe und die nächste Serie starte, schalte ich zwar ab, aber ich fühle mich danach nicht besser. Also setze ich mich für einen Moment auf den Küchenstuhl. Das kühle Metall der Knöpfe an meinen Fingerspitzen, während der Geruch von Desinfektionsmittel noch an meinen Händen haftet – das ist der Moment, in dem der Feierabend wirklich beginnt.

Hinweis: In diesem Text teile ich meine ganz persönlichen Erfahrungen. Ich habe einige Online-Kurse ausprobiert, die mir im Chaos aus Schichtdienst und Alltag Struktur gegeben haben. Wenn du über die Links in diesem Artikel etwas kaufst, bekomme ich eine kleine Provision. Das kostet dich keinen Cent extra, hilft mir aber, diesen kleinen Blog am Laufen zu halten. Ich empfehle nur, was ich selbst an meinen Sonntagmorgen getestet habe. Hier ist meine vollständige Offenlegung.

Die 10-Minuten-Routine: Warum weniger oft mehr ist

Ich habe keine Musikausbildung. Ich habe in der Schule kein Instrument gelernt und wusste bis vor acht Monaten nicht einmal, dass eine diatonische Ziehharmonika beim Ziehen und Drücken unterschiedliche Töne macht. Damals in Güstrow auf dem Trödelmarkt habe ich sie für 45 Euro mitgenommen, einfach weil sie so verloren aussah. Heute ist sie mein Anker.

Viele sagen mir: "Wie schaffst du das noch nach dem Spätdienst?" Die Antwort ist simpel: Ich übe nicht. Ich spiele nur zehn Minuten. Wenn man sich vornimmt, jeden Tag eine Stunde zu trainieren, hat man bei meinem Dienstplan schon verloren, bevor man angefangen hat. Aber zehn Minuten? Die gehen immer. Diese kurze Zeit auf den Knöpfen leert meinen Kopf besser als jede Netflix-Staffel. Es ist ein mechanisches Glück. Man drückt, man zieht, und es entsteht etwas, das nichts mit Patientenakten oder Vitalwerten zu tun hat.

Nahaufnahme von Händen auf den Knöpfen einer alten Ziehharmonika bei gedämpftem Licht.

Wenn die Finger nicht mehr wollen: Der Kampf mit dem Muskelgedächtnis

Natürlich klappt nicht alles. Letzten Mittwoch war so ein Tag. Ich kam nach einer Doppelschicht nach Hause, die Finger steif, der Rücken müde. Ich wollte nur eine ganz einfache Melodie spielen, die ich eigentlich schon konnte. Ein kläglicher Versuch, den Balg im richtigen Rhythmus zu führen, der in einem geisterhaften Quietschen endete und den Hund unter dem Tisch so erschreckte, dass er kurz aufjaulte.

Ich frage mich in solchen Momenten oft, ob meine Hände, die im Dienst so präzise Infusionen legen, jemals den Takt eines einfachen Walzers verstehen werden. Es ist eine andere Art von Präzision. Beim Blutabnehmen ist es Routine, ein Reflex. Bei der Ziehharmonika ist es, als müsste ich eine neue Sprache lernen, während meine Muskeln eigentlich schon schlafen wollen. Besonders der Wechsel zwischen Zug und Druck macht mir immer noch zu schaffen. Manchmal fühle ich mich wie eine Anfängerin, die versucht, gleichzeitig zu atmen und zu rennen.

Aber genau hier liegt die Parallele zu meinem Pflegealltag: Geduld. Ich erwarte von meinen Patienten nicht, dass sie nach einer OP sofort wieder rennen. Warum erwarte ich es von mir beim Musizieren? Ich habe gelernt, dass bequemes Ziehharmonika-Spielen wichtiger ist als Perfektion. Wenn die Haltung nicht stimmt, verkrampfe ich nach dem Dienst nur noch mehr.

Struktur im Chaos: Warum ich einen Kurs brauchte

Nach etwa drei Monaten merkte ich, dass ich feststeckte. Ich drückte planlos auf den Knöpfen herum, fand mal einen Ton, verlor ihn wieder. In den harten Schichtwochen im Februar war ich kurz davor, die Kleine wieder ins Regal zu stellen. Ich hatte keine Kraft, mir selbst beizubringen, was ein Bass-Rhythmus ist oder wie ich die rechte Hand unabhängig von der linken bewege.

Ich brauchte jemanden, der mich an die Hand nimmt, aber ohne feste Termine. Eine Musikschule in Rostock kam nicht infrage – wie soll ich das mit meinen Diensten vereinbaren? Ich habe mich dann für den Ziehharmonika Anfängerkurs von Harmonicademy entschieden. Das sind 21 strukturierte Lektionen, die ich mir einteilen kann, wie ich will. Mal schaue ich eine Lektion morgens nach der Nachtschicht, mal sonntags beim Kaffee.

Was mir dabei geholfen hat, war die Klarheit. Wenn der Kopf vom Dienst matschig ist, will man nicht nachdenken müssen, was man als Nächstes übt. Man braucht einen Plan. Der Kurs hat mir gezeigt, wie man Balgkontrolle lernen kann, ohne dass es klingt wie eine sterbende Ente. Dass es dort keine Noten gibt, sondern alles über Griffschrift oder Vorzeigen funktioniert, war für mich die Rettung. Wer will nach zehn Stunden Krankenhaus noch Noten lesen?

Ein Tablet mit einem Online-Ziehharmonika-Kurs neben dem Instrument auf einem Küchentisch.

Die Falle der Routine: Motivation für Alleinerziehende im Schichtdienst

Es gibt noch einen Punkt, den viele Ratgeber übersehen. Ich bin oft allein mit den täglichen Aufgaben, und wenn dann noch unvorhersehbare Dinge dazwischenkommen – das Kind ist krank, die Waschmaschine läuft aus –, dann ist der Plan von der "täglichen Routine" sofort beim Teufel. Standardtipps zur Routine scheitern bei uns Schichtdienstlern oft, weil wir kein festes Zeitfenster haben. Mein Zeitfenster ist das Chaos.

Meine Strategie? Ich habe die Ziehharmonika nicht im Koffer. Sie steht griffbereit. Wenn ich nur fünf Minuten habe, während der Kaffee durchläuft, nehme ich sie in die Hand. Manchmal setze ich mich auch einfach nur hin und übe den Fingersatz für die rechte Hand, ohne überhaupt den Balg zu bewegen. Trockenübungen. Das klingt langweilig, hilft aber dem Muskelgedächtnis enorm, wenn die Zeit für eine echte Session fehlt.

Man muss sich erlauben, schlecht zu sein. An manchen Tagen kriege ich keinen geraden Ton raus. Dann ist das eben so. Die Motivation kommt nicht aus dem Erfolg, sondern aus dem Tun. Es ist dieses kurze Gefühl von Selbstbestimmung: Hier entscheide ich, welche Taste gedrückt wird. Hier gibt es keine Notfälle, nur Töne.

Sonntagmorgen in Warnemünde: Ein Fazit nach acht Monaten

Letzten Sonntagvormittag saß ich wieder auf meiner kleinen Terrasse. Der Hund schlief unter dem Stuhl, die Luft war salzig. Ich erinnerte mich an das anfängliche Klopfen der Nachbarin an die Wand, das sich über die Monate tatsächlich in ein kurzes, fast anerkennendes Zunicken im Treppenhaus verwandelt hat. Vielleicht hat sie gemerkt, dass es jetzt seltener quietscht.

Ich habe an diesem Morgen eine Melodie gespielt, die ich am Mittwoch noch drei Minuten lang halbwegs hinbekommen hatte. Es war nicht perfekt, aber es war Musik. Und es war meine Musik. Wenn du auch in einer Situation bist, wo Zeit Mangelware ist, kann ich dir nur raten: Such dir etwas, das dich aus dem Alltag reißt. Für mich war es der Einsteigerkurs von Harmonicademy, weil er mir den Druck genommen hat, alles selbst herausfinden zu müssen.

Wer es etwas flexibler mag und vielleicht auch mal in andere Instrumente reinschnuppern will, für den könnte meineMusikschule Akkordeon eine gute Alternative sein. Es ist ein Abo-Modell, was für manche besser passt als ein Einmalkauf. Für mich war die Linearität der 21 Lektionen aber genau das Richtige, um nach der Arbeit nicht mehr denken zu müssen.

Eine Ziehharmonika auf einem Stuhl auf einer Terrasse mit Blick auf die Ostsee bei Sonnenaufgang.

Am Ende des Tages geht es nicht darum, wie viele Lieder man kann oder ob man jemals vor Publikum spielt. Es geht um diese zehn Minuten nachts um halb eins. Wenn die Welt still wird und nur noch das Atmen des Balgs zu hören ist. Das ist meine Art von Kardiologie – Therapie für das eigene Herz.

Wenn du auch überlegst anzufangen, aber denkst, du bist zu alt oder hast zu wenig Zeit: Fang einfach an. Kauf dir ein gebrauchtes Instrument, setz dich hin und drück einen Knopf. Der Rest kommt von allein, Sonntagmorgen für Sonntagmorgen.

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