Angst vor falschen Tönen verlieren: Wie man beim Akkordeonspielen lockerer wird

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Es ist kurz nach halb eins nachts. In Warnemünde peitscht der Wind den Regen gegen die Fensterscheiben, und die Station in der Kardiologie liegt Stunden hinter mir. Ich sitze in meiner kleinen Küche, die Beine hochgelegt, und vor mir steht sie: 'die Kleine'. Meine zweireihige Ziehharmonika, die ich vor acht Monaten für 45 Euro in Güstrow auf dem Trödelmarkt gefunden habe.

Ich traue mich kaum, den ersten Ton zu spielen. Nicht wegen der Nachbarin – die hat sich seit dem Winter nicht mehr beschwert. Es ist diese innere Sperre. Die Angst, dass der Ton, der gleich aus dem staubigen Balg kommt, so richtig danebenliegt. Wenn man den ganzen Tag in der Klinik funktioniert, wo jeder Handgriff beim Blutabnehmen oder am EKG-Monitor sitzen muss, fällt es verdammt schwer, sich einzugestehen: Hier darf ich versagen. Hier darf es quietschen.

Hinweis: Mein kleiner Blog hier enthält Affiliate-Links. Wenn du über diese Links etwas kaufst oder einen Kurs buchst, erhalte ich eine kleine Provision. Für dich ändert sich am Preis natürlich gar nichts. Ich empfehle hier nur Dinge, die ich in meinen sonntäglichen Übungsstunden auf der Terrasse oder nach der Nachtschicht selbst ausprobiert habe. Hier ist meine vollständige Offenlegung.

Das Erbe der Perfektion: Warum Fehler am Anfang wehtun

Nahaufnahme von Händen auf den Knöpfen einer alten Ziehharmonika in sanftem Licht.

In meinem Job ist Perfektion kein Luxus, sondern Pflicht. Wenn ich auf Station eine Übergabe mache, müssen die Werte stimmen. Diese Routine schleppe ich mit nach Hause. Als ich im letzten November anfing, die ersten Knöpfe zu drücken, fühlte sich die Ziehharmonika fast wie ein medizinisches Gerät an. Ich dachte, ich müsste sie 'bedienen'.

Aber Musik ist keine Patientenakte. Wenn ich mich nachts hinsetze, steigt mir dieser leicht muffige Geruch von altem Holz und staubigem Balgstoff in die Nase, sobald ich das Instrument zum ersten Mal aufziehe. Es riecht nach Dachboden und alten Geschichten. Aber meine Finger? Die sind oft steif. Nach einer Zehn-Stunden-Schicht wollen sie sich nicht mehr einzeln bewegen. Dann drücke ich den falschen Bass, und mein ganzer Körper verkrampft sich.

Ich habe drei Nächte hintereinander versucht, 'An der Nordseeküste' zu spielen. Jedes Mal, wenn der Wechsel auf den zweiten Bass-Knopf kam, bin ich hängengeblieben. Mein Gehirn sagte: 'Fehler! Abbruch!'. Ich habe die Kleine dann frustriert in die Ecke gestellt. Aber das ist genau der Punkt, an dem wir lernen müssen, loszulassen. Ein falscher Ton ist kein Herzstillstand.

Struktur gegen die Unsicherheit: Mein Weg durch das Chaos

Was mir geholfen hat, die Angst zu verlieren, war nicht 'einfach weitermachen', sondern ein bisschen Struktur. Ich habe gemerkt, dass ich ohne Plan nur noch nervöser werde. Da ich nie eine Musikausbildung hatte und Noten für mich wie Hieroglyphen aussehen, habe ich nach etwas gesucht, das mich an die Hand nimmt.

Vor ein paar Monaten bin ich auf den Ziehharmonika Anfaengerkurs (Harmonicademy) gestoßen. Es sind genau 21 Lektionen. Das Schöne daran ist, dass man nicht überfordert wird. Es fängt ganz simpel an, fast wie die Einarbeitung einer neuen Kollegin auf Station. Schritt für Schritt. Man lernt erst mal, wie man den Balg überhaupt führt, ohne dass es klingt wie eine sterbende Möwe.

Durch diesen Kurs habe ich verstanden, dass meine diatonische Ziehharmonika wechseltönig ist. Das bedeutet, beim Drücken kommt ein anderer Ton als beim Ziehen. Das war für mich eine Offenbarung! Früher dachte ich, ich drücke falsch, dabei war es nur die falsche Balgbewegung. Wer tiefer in diese Welt eintauchen will, dem kann ich auch meinen Artikel über Akkordeon lernen für Späteinsteiger empfehlen, da beschreibe ich meine ersten Versuche noch genauer.

Wenn die Hände nicht mehr wollen: Mein spezieller Blick auf die Lockerheit

Detailansicht des Balgs einer alten Ziehharmonika mit Fokus auf die Textur.

Hier kommt etwas, das ich in keinem Standard-Lehrbuch gefunden habe. Als Krankenschwester Mitte vierzig merke ich meine Gelenke. Manchmal, wenn das Wetter in Warnemünde umschlägt oder ich zu viele schwere Patienten gelagert habe, schmerzen meine Handgelenke. Viele Ratgeber sagen: 'Drück einfach die Tasten'. Aber was, wenn das schwere Gewicht der Ziehharmonika physischen Schmerz verursacht?

Die Angst vor falschen Tönen kommt oft von der physischen Anspannung. Wenn das Handgelenk zieht, wird man steif. Ich habe gelernt, dass ergonomische Hilfsmittel kein Verrat am Instrument sind. Ich nutze inzwischen breitere Gurte, die das Gewicht besser verteilen. Und ich achte darauf, wie ich sitze. Wenn der Schmerz nachlässt, kommt die Lockerheit von ganz allein. Es ist wie bei einer schwierigen Blutentnahme: Wenn man verkrampft, findet man die Vene nie. Man muss tief durchatmen und den Arm des Patienten – oder eben den Balg der Harmonika – ganz ruhig führen.

Manchmal hilft es auch, sich die Grundlagen noch einmal anzusehen, zum Beispiel in meinem Text über gebrauchte Ziehharmonikas vom Trödelmarkt, denn oft liegt die Schwerfälligkeit auch an einem schlecht gewarteten alten Instrument.

Der Wendepunkt: Der schiefe Bass und der schlafende Hund

Ein Erlebnis im Mai hat alles verändert. Es war ein windiger Sonntagmorgen, ich hatte meinen Kaffee auf der Terrasse und die Kleine auf dem Schoß. Ich wollte eine Melodie spielen, die ich am Mittwoch zuvor drei Minuten lang halbwegs hinbekommen hatte. Und dann passierte es: Ein völlig schiefer Moll-Bass dröhnte über die Terrasse. Ein richtig hässlicher Ton.

Ich hielt die Luft an. Mein Hund, der wie immer unter meinem Stuhl schlief, öffnete kurz ein Auge, sah mich an, gähnte und schnarchte einfach weiter. Die Welt ging nicht unter. Die Nachbarin rief nicht die Polizei. In diesem Moment spürte ich dieses plötzliche Lockern der Schultern. Es war der Augenblick, in dem der Rhythmus des Balgs endlich mit meinem Atem eins wurde. Ich habe einfach weitergespielt.

Ich habe begriffen: Es ist kein EKG. Es ist Musik. Und in der Musik ist ein falscher Ton nur eine Vorstufe zum richtigen. Wenn du auch so ein vielbeschäftigter Mensch bist wie ich, schau dir mal Harmonika lernen online ohne festen Termin an. Das hat mir den Druck genommen, immer 'pünktlich' gut sein zu müssen.

Mein Fazit für dich: Trau dich zu quietschen

Ein gemütlicher Balkonplatz in Warnemünde mit einer Ziehharmonika im Sonnenaufgang.

Heute, acht Monate nach meinem 45-Euro-Kauf, bin ich immer noch keine Musikerin. Ich bin eine Krankenschwester, die Ziehharmonika spielt. Aber ich bin lockerer geworden. Ich akzeptiere, dass der Moll-Bass manchmal hakt und dass die Umschaltbewegung zwischen Zug und Druck sich manchmal anfühlt, als hätte ich Knoten in den Fingern.

Wenn du auch gerade erst anfängst, such dir einen Weg, der dir den Druck nimmt. Für mich war es der Anfängerkurs von Harmonicademy, weil er mir die 21 Lektionen in meinem eigenen Tempo erlaubt hat – egal ob nach dem Frühdienst oder mitten in der Nacht. Es ist ein Einmalkauf, was mir lieber war als ein Abo, das mich stresst.

Setz dich hin. Riech am alten Holz. Und dann spiel den ersten Ton. Er darf falsch sein. Er darf hässlich sein. Hauptsache, er gehört dir. Ich schreibe nächsten Sonntag wieder, wie die Woche war. Bis dahin: Atmen nicht vergessen, beim Spielen und beim Leben.

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Deine Krankenschwester aus Warnemünde.

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