Mietwohnung & Akkordeon: Wie ich leise Töne fand nach der Nachtschicht

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Es ist Sonntagmorgen, kurz nach acht. Der Kaffee in meiner alten blauen Tasse dampft, und draußen über Warnemünde hängt dieser typische Frühsommernebel, der alles ein bisschen verschluckt. Mein Hund schnarcht leise unter dem Küchentisch – er ist der Einzige, den meine morgendlichen Schreibereien nicht stören. Vor mir liegt 'die Kleine', meine zweireihige Ziehharmonika vom Flohmarkt, und ich denke an letzten Donnerstag zurück.

Ich kam gegen halb eins aus der Spätschicht auf der Kardiologie. Es war ein anstrengender Tag; wir hatten zwei Neuaufnahmen, die viel Aufmerksamkeit brauchten, und meine Beine fühlten sich an wie Blei. In solchen Momenten ist die Stille in meiner Wohnung fast schon zu laut. Ich brauche dann diese zehn Minuten mit dem Instrument, um den Kopf frei zu bekommen von Medikamentenplänen und dem ständigen Piepen der Überwachungsmonitore. Aber wie macht man das in einem Haus, in dem man hört, wenn der Nachbar drei Etagen tiefer niest?

Hinweis: In diesem Text erzähle ich von meinem Weg und nutze Affiliate-Links. Wenn du darüber einen Kurs kaufst, erhalte ich eine Provision, aber für dich ändert sich am Preis absolut nichts. Ich empfehle hier nur, was ich selbst – oft nachts auf meinem Sofa in Warnemünde – ausprobiert habe, um zwischen den Schichten nicht den Verstand zu verlieren.

Das Atmen der Falten: Warum dieses Instrument so schwierig für Nachbarn ist

Als ich die Harmonika vor acht Monaten für 45 Euro in Güstrow kaufte, habe ich über Schalldämmung keine Sekunde nachgedacht. Ich sah nur dieses traurige Ding im Regal und wollte ihm ein Zuhause geben. Erst hier in der Wohnung wurde mir klar: Eine Diatonische Ziehharmonika ist im Grunde eine Lunge aus Pappe und Leder. Wenn man sie drückt, will die Luft raus, und das tut sie nicht im Flüsterton.

Am Anfang hatte ich regelrecht Panik, den Balg überhaupt aufzuziehen. Ich saß da, die Finger auf den Knöpfen, und habe nur ganz vorsichtig gezupft. Das Ergebnis? Es klang furchtbar. Wie ein weinerliches Tier. Ein Akkordeon braucht einen gewissen Druck, damit die Stimmzungen sauber schwingen. Wenn man zu zaghaft ist, eiert der Ton. Man ist also in dieser Zwickmühle: Spielst du richtig, ist es laut. Spielst du leise, klingt es wie ein Fehler. Für jemanden wie mich, der ohnehin keine Musikausbildung hat, war das frustrierend.

Nahaufnahme von Händen, die vorsichtig die Knöpfe einer Ziehharmonika berühren.

Der gescheiterte Versuch mit dem Wolldecken-Dämpfer

Ich erinnere mich noch gut an eine Nacht im letzten Spätwinter. Ich war so verzweifelt, weil ich unbedingt eine Melodie üben wollte, die mir nicht aus dem Kopf ging. Ich nahm eine dicke Wolldecke und versuchte, die Kleine darin einzuwickeln, während ich spielte. Ich dachte, das würde den Schall schlucken. Ein fataler Irrtum.

Nicht nur, dass ich die Knöpfe nicht mehr sehen oder richtig fühlen konnte – was bei meinen Wurstfingern nach einer Doppelschicht eh schon schwer genug ist. Die Wolle verfing sich fast in den Ventilen, und das Instrument bekam keine Luft mehr. Es klang, als würde ich einen Patienten beatmen, bei dem der Schlauch abgeknickt ist. Ich habe schnell gemerkt: Man kann ein Akkordeon nicht ersticken. Man muss lernen, es zu führen. Wer mehr über meine ersten holprigen Schritte wissen will, kann das in Entspannung nach der Nachtschicht nachlesen.

Das Gespräch über den Gartenzaun (oder die Flurwand)

Die Wende kam vor ein paar Monaten. Es gab kein böses Klopfen, aber meine Nachbarin von nebenan schaute mich im Treppenhaus etwas seltsam an. Ich arbeite auf der Kardiologie, ich weiß, wie man mit schwierigen Situationen umgeht – Kommunikation ist alles. Also bin ich an einem freien Nachmittag mit einer Packung Pralinen rübergegangen.

Wißt ihr, was das Überraschende war? Sie sagte: "Frau Jensen, das bisschen Gedudel stört mich gar nicht so sehr. Aber dieses rhythmische Klopfen macht mich wahnsinnig!" Es war gar nicht das Instrument. Es war mein rechter Fuß, der auf dem Laminat den Takt mitwippte, während ich versuchte, die Bass-Knöpfe zu finden. In der Stille der Nacht übertrug sich dieser Körperschall eins zu eins durch die Decke.

Seitdem habe ich eine dicke Gummimatte unter meinem Übestuhl liegen und trage nur noch dicke Socken statt Hausschuhen beim Spielen. Ein kleiner Handgriff, der das nachbarschaftliche Verhältnis gerettet hat. Es ist wie im Krankenhaus: Manchmal ist nicht die große Operation die Lösung, sondern das richtige Lagerungskissen.

Technik statt Gewalt: Wie man leise Töne lernt

Ich habe im Laufe der letzten Wochen gelernt, dass Lautstärke oft ein Zeichen von Unsicherheit ist. Wenn ich nicht genau weiß, wo der Moll-Bass liegt, verkrampfe ich. Und wenn ich verkrampfe, reiße ich unkontrolliert am Balg. Das wird dann laut und schrill. Ich habe angefangen, den Ziehharmonika Anfängerkurs von Harmonicademy zu machen. Das sind 21 Lektionen, die ganz ruhig aufgebaut sind.

Was mir dort am meisten geholfen hat, war die Arbeit an der Balgführung. Man lernt, den Druck so fein zu dosieren, dass der Ton gerade eben anspricht. Es ist ein bisschen wie beim Blutabnehmen: Man braucht Fingerspitzengefühl, keinen Druck. Wenn man die Bewegung aus dem linken Arm fließen lässt, statt zu reißen, kann man die Kleine fast flüstern lassen. Für mich als Schichtarbeiterin war dieser strukturierte Weg ein Segen, weil ich nicht mehr ziellos probiere, sondern gezielt leise Bewegungen übe.

Wenn die Finger nicht mehr mitspielen

Es gibt Tage, da klappt es einfach nicht. Letzten Mittwoch zum Beispiel. Ich hatte acht Stunden fast nur gestanden, zwei Notfälle auf Station, und als ich nach Hause kam, fühlten sich meine Hände an wie aus Holz. Ich wollte unbedingt diesen einen Übergang üben, aber meine Finger blieben ständig zwischen den Knöpfen hängen. In solchen Momenten wird man ungeduldig, und Ungeduld führt zu Lärm.

Ich habe die Kleine nach fünf Minuten wieder weggepackt. Man muss lernen, auf seinen Körper zu hören. Wenn die Feinmotorik nach der Schicht weg ist, erzwingt man nichts mehr. Das ist eine Lektion, die ich auch im Pflegeberuf lernen musste: Manchmal ist Pause machen die produktivste Form der Arbeit. Wer nach einer flexibleren Methode sucht, für den könnte auch meineMusikschule Akkordeon interessant sein, da man dort in seinem ganz eigenen Tempo durch die Module gehen kann, was gerade bei unregelmäßigen Arbeitszeiten hilft.

Ein Fazit aus der Warnemünder Morgenstille

Ich bin keine Musikerin und werde wohl auch keine mehr. Aber diese 45 Euro vom Flohmarkt waren die beste Investition meines Lebens. Die Kleine und ich, wir haben uns arrangiert mit den Nachbarn und der Nachtruhe. Es geht nicht darum, das ganze Haus zu beschallen, sondern darum, diesen einen Moment für sich zu haben, in dem die Welt nur aus einem Bassknopf und einer Melodie besteht.

Falls du auch in einer Mietwohnung wohnst und Angst hast anzufangen: Trau dich. Sei ehrlich zu deinen Nachbarn, leg dir eine Matte unter die Füße und investiere vielleicht ein paar Euro in einen Kurs, der dir zeigt, wie man das Instrument mit Gefühl statt mit Kraft spielt. Der Ziehharmonika Anfängerkurs ist für mich der Anker geworden, der verhindert, dass mein Üben in Lärm ausartet. Und wenn alles nichts hilft: Schau dir mal das Harmonicademy Abo an, da gibt es eine tolle Gemeinschaft, in der man sich auch über solche Alltagsprobleme austauschen kann.

Jetzt ist mein Kaffee kalt, aber die Sonne kommt durch. Mein Hund hat sich gerade gestreckt und schaut mich erwartungsvoll an. Zeit für eine kleine Runde am Strand, bevor ich mich wieder an die Bassseite setze. Man lernt nie aus, egal wie alt man ist oder wie viele Nachtschichten man in den Knochen hat.

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