Akkordeon am Meer: Tipps zur Pflege bei salzhaltiger Luft in Warnemünde

Es ist halb eins nachts. Ich bin gerade von der Kardiologie gekommen, die Übergabe hat mal wieder länger gedauert, weil ein Patient in der 402 unruhig war. Jetzt sitze ich hier in meiner kleinen Küche in Warnemünde, das Fenster ist gekippt, und ich rieche die Ostsee. Es ist dieser typische Geruch nach Salz und feuchtem Sand. Aber heute Nacht macht mir dieser Geruch zum ersten Mal ein bisschen Sorgen.

Ich habe meine 'Kleine' aus dem Regal geholt. Du weißt schon, die zweireihige Ziehharmonika, die ich vor acht Monaten für 45 Euro in Güstrow gefunden habe. Als ich sie vorhin auf den Schoß nahm, fühlte sich der Balg seltsam an. Ein bisschen klamm, fast klebrig, so wie sich die Haut nach einem langen Tag am Strand anfühlt, wenn man sich nicht abgeduscht hat. Der kalte, leicht klebrige Nebel schleicht sich hier durch jede Ritze, besonders jetzt im Juli, wenn die Nächte zwar warm, aber feucht sind.

Ich habe kurz auf die Knöpfe gedrückt, nur fünf Minuten, um runterzukommen. Aber die Bewegung war zäh. Es war nicht so flüssig wie sonst. Da kam mir dieser Gedanke, während ich auf die Hafenkräne draußen starrte: Wenn die salzige Luft es schafft, den dicken Lack von diesen riesigen Stahlkranen zu fressen, was macht sie dann mit meiner 45-Euro-Ziehharmonika? Kann dieses kleine Ding aus Holz und Pappe hier überhaupt überleben?

Die Ostsee im Wohnzimmer: Wenn 82 % Luftfeuchtigkeit zum Problem werden

In Rostock und hier draußen in Warnemünde haben wir eine durchschnittliche relative Luftfeuchtigkeit von etwa 82 %. Das ist für uns Menschen normal, aber für ein Musikinstrument ist das eigentlich Dauerstress. Ich habe in den letzten Monaten gemerkt, dass die Ziehharmonika auf das Wetter reagiert wie ein Patient mit Rheuma. Wenn der Wind dreht und die Feuchtigkeit steigt, quellen die Holzteile minimal auf. Die Tasten drücken sich anders.

Nahaufnahme der Falten und Metallecken einer alten Ziehharmonika

Das Problem ist das Salz. Es zieht die Feuchtigkeit förmlich an. Ich habe neulich beim Üben – ich versuche ja immer noch, die 21 Knöpfe auf der rechten Seite und die 8 Bassknöpfe links gleichzeitig zu bedienen, was meistens in einem ziemlichen Chaos endet – kleine, matte Stellen an den Metallecken entdeckt. Es ist noch kein Rost, aber es sieht so aus, als würde das Metall 'schwitzen'.

Ich erinnere mich noch gut an den Tag, als ich sie mit nach Hause brachte. Damals dachte ich, der Platz im Regal zwischen dem alten Kupferkessel und meiner Briefmarkensammlung wäre perfekt. Schön dekorativ. Aber das war ein Fehler. Dort steht sie völlig ungeschützt. Wer eine zweireihige Ziehharmonika gebraucht kaufen möchte, sollte sich direkt Gedanken machen, wo sie wohnen darf. Sicher nicht direkt am Fenster zur Seeseite.

Prävention ist besser als die Notaufnahme

In der Pflege sagen wir immer: Prävention spart uns später den Stress in der Notaufnahme. Das gilt auch für die Ziehharmonika. Ich habe angefangen, ein paar Dinge anders zu machen, seit ich diesen grauen Schleier auf dem Metall gesehen habe. Erstens: Das Instrument wird nach jedem Spielen abgewischt. Und zwar gründlich. Nicht nur der Schweiß von den Fingern, sondern auch die Feuchtigkeit, die der Balg beim Ziehen und Drücken wie eine Lunge eingesaugt hat.

Ich nehme dafür ein ganz weiches Mikrofasertuch. Ich fahre vorsichtig über die Metallecken und die Knöpfe. Es ist ein bisschen wie die Grundpflege bei einem bettlägerigen Patienten – man muss in jede Falte schauen. Besonders der Balg braucht Aufmerksamkeit. Wenn man ihn nach dem Spielen sofort schließt und wegstellt, schließt man die feuchte Meeresluft darin ein.

Mein kleiner Trick: Ich lasse die Ziehharmonika nach dem Üben noch zehn Minuten offen auf dem Tisch stehen, aber nicht am offenen Fenster. Sie soll sich akklimatisieren. Erst wenn sie sich 'trocken' anfühlt, kommt sie weg. Aber nicht mehr ins offene Regal.

Der Koffer-Mythos und die frische Brise

Viele sagen ja, man soll das Instrument immer im Koffer lassen. Ich habe mir extra einen alten Hartschalenkoffer besorgt und lege dort jetzt immer diese kleinen Silica-Päckchen rein, die man oft in Schuhkartons findet. Die saugen ein bisschen was weg. Aber hier kommt mein 'Warnemünder Geheimtipp', den ich neulich von einem alten Seemann gehört habe, der früher Schifferklavier auf den Kuttern gespielt hat.

Pflegeutensilien wie Mikrofasertuch und Silica-Päckchen neben einem Akkordeon

Er sagte mir: 'Mädel, wenn du das Ding nur im Koffer lässt, dann modert es von innen.' Und er hat recht. Statt die Ziehharmonika hermetisch vor der Meeresluft zu versiegeln, ist kontrolliertes Lüften in den Innenräumen viel wichtiger. Wenn die Luft steht, wird sie muffig. Ich lagere sie jetzt in einem Schrank, der nicht an einer Außenwand steht. Das Holz braucht eine Umgebung, die atmet, aber nicht zieht.

Es ist ein bisschen wie mit der Handkoordination beim Akkordeon lernen: Man darf nicht verkrampfen. Wenn ich versuche, das Instrument zu fest 'einzupacken', schadet es ihm eher. Es braucht diese Balance. Ich lüfte meine Wohnung jetzt immer stoßweise, wenn die Luftfeuchtigkeit draußen gerade mal nicht bei 90 % liegt, und achte darauf, dass die Ziehharmonika dabei keinen direkten Luftzug abbekommt.

Sonntagmorgen-Reflektion: Geduld mit dem Material

Heute ist Sonntag. Die Sonne kommt gerade über die Dächer von Warnemünde, und mein Kaffee dampft. Mein Hund schläft unter dem Terrassentisch, seine Pfoten zucken im Traum. Ich habe gerade die 'Kleine' auf dem Schoß gehabt. Der Moll-Bass sitzt heute Morgen immer noch nicht richtig, und meine Finger fühlen sich nach der Doppelschicht gestern an wie steife Salzstangen. Aber das Instrument klingt klar.

Ich habe gelernt, dass die Pflege eines Instruments viel mit Geduld zu tun hat. Genau wie bei den Patienten auf Station. Man kann nichts erzwingen. Man muss die Umgebung beobachten, auf kleine Veränderungen achten und reagieren, bevor der Schaden groß ist. Die 45 Euro vom Trödelmarkt waren vielleicht wenig Geld, aber für mich ist dieses Stück Holz inzwischen unbezahlbar geworden. Es ist mein Ventil nach dem Dienst.

Wenn du also auch in Küstennähe wohnst: Hab keine Angst vor der Seeluft, aber hab Respekt davor. Wisch sie ab, gib ihr gute Luft zum Atmen und lass sie nicht im feuchten Nebel stehen. Dann klappt es vielleicht auch irgendwann mit dieser einen Melodie, an der ich seit Mittwoch verzweifle. Aber das ist eine Geschichte für nächsten Sonntag.

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