
Es ist weit nach Mitternacht, als ich die schwere Haustür in Warnemünde hinter mir zuziehe. Die Luft riecht nach Salz und dem heraufziehenden Regen, der typisch ist für diese Junitage an der Ostsee. In der Kardiologie war es heute unruhig; das Piepen der Monitore verfolgt mich noch bis in den Flur. Mein Hund hebt im Halbdunkel kurz den Kopf, erkennt meinen Schritt und lässt sich mit einem tiefen Seufzer wieder auf seine Decke sinken. Früher hätte ich jetzt mechanisch zur Fernbedienung gegriffen, um den Kopf mit einer Serie zu betäuben. Heute ziehe ich die Tasche unter dem Tisch hervor und hole 'die Kleine' heraus.
Hinweis: In diesem Tagebuch teile ich meine ganz persönlichen Fortschritte und Rückschläge. Du findest hier auch Affiliate-Links zu den Kursen, die mir auf diesem Weg Struktur geben. Wenn du über diese Links etwas kaufst, erhalte ich eine Provision, während der Preis für dich absolut gleich bleibt. Ich empfehle nur, was ich in meinen schlaflosen Nächten nach dem Dienst und an meinen freien Sonntagen wirklich selbst ausprobiere. Hier ist meine Offenlegung.
Der Trödelmarktfund, der alles veränderte
Wenn ich heute, acht Monate nach jenem Samstag in Güstrow, auf die kleine zweireihige Ziehharmonika blicke, muss ich immer noch lächeln. Sie stand da zwischen einem verbeulten Kupferkessel und einer Kiste mit alten Briefmarken. Fünfundvierzig Euro hat sie gekostet. Ich hatte keine Ahnung von Musik, konnte keine einzige Note lesen und meine einzige Erfahrung mit Instrumenten war die Triangel in der Grundschule, die ich meistens zum falschen Zeitpunkt geschlagen habe. Aber dieses Instrument hatte etwas Einsames an sich, das mich berührt hat.
Die ersten Wochen waren ein reines Durcheinander. Ich wusste nicht einmal, dass man dieses Ding diatonisch nennt – was eigentlich nur bedeutet, dass ein Knopf zwei verschiedene Töne erzeugt, je nachdem, ob man zieht oder drückt. Es ist ein bisschen wie bei meinen Patienten: Manchmal muss man Druck rausnehmen, damit sich etwas löst, und manchmal braucht es den richtigen Zug, um wieder Leben in die Bude zu bringen. Ich saß oft einfach nur da und habe gelauscht, wie die Luft durch die alten Stimmzungen pfeift, ohne dass ich auch nur einen sauberen Dreiklang zustande gebracht hätte.

Muskelgedächtnis: Von Venenverweilkanylen zu Bassknöpfen
In meinem Job als Krankenschwester verlassen sich meine Hände auf Routine. Wenn ich eine Nadel setze, denken meine Finger nicht nach; sie wissen einfach, wie tief sie gehen müssen und wie sich der Widerstand der Haut anfühlt. Beim Ziehharmonika-Spielen ist das völlig anders – und doch seltsam vertraut. Mein Gehirn muss neue Bahnen legen. Letzten Mittwoch, nach einer besonders anstrengenden Spätschicht, wollten meine Finger einfach nicht gehorchen. Ich versuchte, den Wechsel zwischen dem Grundbass und dem Akkord zu finden, aber meine linke Hand fühlte sich an wie aus Blei.
Es ist dieses faszinierende Phänomen, wenn der Körper plötzlich versteht, was der Verstand noch nicht ganz begriffen hat. Man nennt es wohl Muskelgedächtnis. Genau wie ich auf Station blind nach der richtigen Desinfektionsmittelflasche greife, fangen meine Finger langsam an, den kleinen Knopf für den C-Bass zu finden, ohne dass ich panisch nach unten schielen muss. In meinem Testbericht zum Ziehharmonika Anfängerkurs 2026 habe ich ja schon einmal aufgeschrieben, wie frustrierend die ersten Versuche waren, diese Koordination hinzubekommen.
Besonders die Balgkontrolle auf der Ziehharmonika ist eine Kunst für sich. Manchmal ziehe ich viel zu hastig, als würde ich einen Patienten reanimieren wollen, und dann erschrickt die Kleine mit einem schrillen Ton. In den ruhigen Momenten nachts um zwei lerne ich aber, den Balg so sanft zu führen, wie man eine Infusion einstellt – stetig, ruhig, mit Bedacht. Es ist eine Form von Achtsamkeit, die ich in keinem Meditationskurs so direkt gespürt habe.
Struktur finden im Schicht-Chaos
Ein fester Musiklehrer wäre für mich unmöglich. Wer will schon am Dienstagmorgen um zehn unterrichten, wenn ich gerade erst von der Nachtschicht komme, oder am späten Freitagabend, wenn ich noch Berichte tippe? Ich brauchte etwas, das sich meinem Leben anpasst, nicht umgekehrt. Anfang des Jahres habe ich deshalb mit dem Ziehharmonika Anfängerkurs von Harmonicademy begonnen. Es sind 21 Lektionen, die ich mir einteile, wie es der Dienstplan erlaubt.
Was mir an diesem Kurs gefällt, ist die Bodenständigkeit. Es geht nicht um große Theorie, sondern darum, dass die Finger anfangen zu laufen. Es ist ein Einmalkauf, was mir wichtig war – ich habe schon genug Abos in meinem Leben, die ich kaum nutze. Wenn ich eine Woche lang nur Überstunden schiebe und die Kleine im Koffer bleibt, habe ich kein schlechtes Gewissen. Aber wenn ich dann sonntags mit meinem Kaffee auf der Terrasse sitze, nehme ich mir eine neue Lektion vor. Es ist mein kleiner Anker in der Woche.

Die Nachbarin und der maritime Flair
Natürlich ist es in einem hellhörigen Haus in Warnemünde so eine Sache mit einem Instrument, das Luft braucht. Letzten Februar klopfte meine Nachbarin tatsächlich einmal gegen die Wand. Ich war gerade dabei, eine einfache Melodie zu üben, und hatte wohl vor lauter Konzentration vergessen, wie spät es eigentlich war. Ich habe mich am nächsten Tag mit einem Lächeln und einer kleinen Aufmerksamkeit entschuldigt. Wir haben geredet, und ich habe ihr von der Kardiologie und dem Stress erzählt – und warum mir diese zehn Minuten am Instrument so wichtig sind.
Inzwischen hat sich das Blatt gewendet. Letzte Woche traf ich sie im Treppenhaus, und sie meinte, sie würde den 'maritimen Flair' vermissen, wenn ich mal ein paar Tage nicht spiele. Es scheint, als hätten meine Fortschritte auch ihre Ohren erreicht. Man muss eben lernen, wie man in einer Mietwohnung auf die Nachbarn beim Üben Rücksicht nimmt, ohne sich selbst die Freude zu nehmen. Ein bisschen Fingerspitzengefühl gehört dazu, genau wie beim Umgang mit schwierigen Angehörigen auf Station.
Warum die Ziehharmonika besser ist als jede Serie
Viele Kollegen fragen mich, warum ich mir diesen 'Stress' antue, im Alter von 42 noch mal etwas völlig Neues zu lernen. Sie legen sich nach der Schicht lieber vor den Fernseher. Ich verstehe das, ich habe das jahrelang genauso gemacht. Aber das Problem ist: Der Kopf bleibt dabei voll mit den Sorgen der Patienten. Man konsumiert nur fremde Bilder, während die eigenen Gedanken im Kreis laufen.
Wenn ich die Ziehharmonika auf den Schoß nehme, spüre ich das Gewicht. Ich rieche das alte Holz und das Leder der Riemen. In dem Moment, in dem ich den ersten Bassknopf drücke, bin ich ganz bei mir. Ich kann nicht an die Medikamentenliste von Zimmer 304 denken, wenn ich versuche, den Zug-Druck-Wechsel sauber hinzubekommen. Es ist eine produktive Erschöpfung, die sich so viel besser anfühlt als das dumpfe Starren auf einen Bildschirm. Es erfordert Präsenz, genau wie eine Übergabe bei einem instabilen Patienten.
Für diejenigen, die vielleicht auch erst einmal nur reinschnuppern wollen und sich nicht sicher sind, ob sie dabei bleiben, gibt es auch flexiblere Wege wie meineMusikschule. Dort kann man monatlich schauen, ob es passt. Aber für mich war der klare, strukturierte Weg der Harmonicademy bisher genau das Richtige, um aus dem Chaos meiner Schichten auszubrechen.
Sonntagmorgen-Gedanken auf der Terrasse
Heute ist wieder so ein Sonntagmorgen. Die Möwen schreien über dem Hafen, und mein Kaffee ist schon fast kalt, während ich diese Zeilen schreibe. Der Hund schläft unter meinem Stuhl – er ist mittlerweile mein größter Fan, oder er hat sich einfach an die schrägen Töne gewöhnt, die immer noch vorkommen. Die letzte Woche war hart, ein Moll-Bass hat mich fast in den Wahnsinn getrieben, und am Donnerstag habe ich das Instrument nach fünf Minuten frustriert weggelegt, weil meine Hände nach der Doppelschicht einfach nur gezittert haben.
Aber das gehört dazu. Es ist kein Wettbewerb. Es gibt kein Examen am Ende, nur den Klang und das Gefühl, etwas mit den eigenen Händen zu erschaffen, das nichts mit Akten oder Diagnosen zu tun hat. Die 45 Euro auf dem Trödelmarkt waren die beste Investition in meine Ruhe, die ich je getätigt habe. Wenn du auch diesen Wunsch in dir spürst, etwas zu lernen, das nur für dich ist: Fang einfach an. Es ist egal, wie alt du bist oder ob du Noten kennst. Die Musik wartet nicht auf Perfektion, sie wartet auf dich.
Vielleicht probierst du es einfach mal aus, ganz ohne Druck. Ob mit dem strukturierten Anfängerkurs oder einem flexiblen Abo – Hauptsache, du fängst an, dem Wind in den Stimmzungen zuzuhören. Deine Seele wird es dir danken, besonders nach einer langen Nachtschicht.