
Es ist weit nach Mitternacht in Warnemünde. Die Spätschicht auf der Kardiologie war heute besonders zäh – drei Neuaufnahmen kurz vor Übergabe, das übliche Piepen der Monitore und dieser metallische Geruch nach Desinfektionsmittel, der mir bis in die Wohnung zu folgen scheint. Ich setze mich auf die Kante meines alten Holzstuhls in der Küche, lasse die Schultern sinken und greife nach 'der Kleinen'.
Hinweis: In diesem Tagebuch erzähle ich von meinem Weg. Wenn du über die Links in meinen Texten etwas kaufst, erhalte ich eine kleine Provision. Für dich bleibt der Preis genau gleich. Ich empfehle hier nur, was ich nach meinen Schichten wirklich selbst nutze und was mir geholfen hat, den Kopf frei zu bekommen. Hier findest du meine vollständige Offenlegung.
Vor etwa acht Monaten stand sie da auf dem Trödelmarkt in Güstrow, eingequetscht zwischen einem Kupferkessel und einer Briefmarkensammlung. 45 Euro hat sie gekostet. Eine einfache, zweireihige Ziehharmonika. Ich hatte keinen Plan, was man damit macht, aber sie sah so einsam aus, dass ich sie mitnehmen musste. Seitdem ist sie mein Anker. Ohne Musikausbildung, ohne jemals eine Note gelernt zu haben, sitze ich nun hier und versuche, meinen Fingern beizubringen, etwas anderes zu tun, als Tabletten zu stellen oder Patientenakten zu sortieren.
Der erste Balgzug: Warum Noten mit 42 keine Rolle spielen
In meinem Alter fängt man nicht mehr an, Hieroglyphen zu studieren. Wenn ich nach zehn Stunden Dienst nach Hause komme, will ich nicht vor einem Blatt Papier sitzen und zählen, wie viele Striche eine Note hat. Ich will fühlen. Das ist das Schöne an der Handharmonika: Man braucht kein Musikstudium, um ihr einen Ton zu entlocken, der das Herz berührt.
Am Anfang dachte ich, ich sei zu alt. Dass meine Hände, die den ganzen Tag zupacken müssen, zu grob für die kleinen Knöpfe seien. Aber das Gegenteil ist der Fall. In der Pflege lernt man Geduld. Man lernt, dass Dinge Zeit brauchen. Wenn ein Patient nach einer OP das erste Mal wieder aufsteht, ist das auch kein Sprint. Genauso ist es mit dem Instrument. Man zieht den Balg auf, und die Luft strömt ein – es ist fast wie das erste tiefe Durchatmen nach einer stressigen Reanimation.
Ich habe schnell gemerkt, dass ich ohne Struktur nicht weiterkomme. Nur auf den Knöpfen rumzudrücken macht zwar Spaß, aber irgendwann will man ja, dass es nach etwas klingt. Da ich keine Zeit für eine Musikschule habe – wer gibt schon Dienstags um zwei Uhr nachts Unterricht? – habe ich mich im Internet umgesehen. Gefunden habe ich den Ziehharmonika Anfängerkurs von Harmonicademy. Das war im letzten Spätherbst mein Rettungsanker. Dort lernt man mit der Griffschrift. Man sieht ein Bild vom Knopf und drückt ihn. Kein Notenlesen. Einfach machen.

Das Gedächtnis der Finger: Wenn die linke Hand nicht weiß, was die rechte tut
Letzten Mittwoch war so ein Moment. Ich wollte eigentlich nur eine ganz einfache Melodie spielen, etwas, das ich am Sonntag schon fast fehlerfrei konnte. Aber meine linke Hand – die für den Bass zuständig ist – fühlte sich an wie aus Blei. Kennst du das, wenn man so müde ist, dass man beim Sprechen Wörter vertauscht? So war das mit meinen Fingern.
Der Wechsel zwischen Zug und Druck am Balg ist am Anfang das Schwierigste. Man muss gleichzeitig ziehen, rechts eine Taste drücken und links den Takt halten. Es ist ein bisschen wie beim Blutabnehmen, wenn der Patient unruhig ist: Man braucht eine ruhige Hand und muss drei Dinge gleichzeitig im Blick haben. Wenn es nicht klappt, lege ich 'die Kleine' zur Seite. Es hat keinen Sinn, gegen die Erschöpfung anzuspielen.
Was mir aber hilft, ist die Regelmäßigkeit. Ich versuche, jede Nacht zehn Minuten zu spielen. Inzwischen sitzen die ersten Bass-Knöpfe fast von allein. Ich muss nicht mehr hinschauen. Dieses Muskelgedächtnis ist faszinierend. Es ist wie das blinde Greifen nach der richtigen Kanüle im Notfallkoffer. Man weiß einfach, wo es liegt. Mehr zu dieser Technik und wie man die linke Hand bändigt, habe ich auch hier aufgeschrieben: Akkordeon Bassknöpfe lernen: Tipps für die linke Hand.
Die 'Pflege-Hände' und der stumme Widerstand der Technik
Ein Problem, über das Musiker selten sprechen, sind steife Gelenke. Nach einer Doppelschicht sind meine Finger manchmal so geschwollen, dass ich kaum die kleinen Abstände zwischen den Knöpfen treffe. Ich habe gelernt, dass ich dann nicht erzwingen darf. Die Harmonika verzeiht keine Gewalt. Wenn man zu fest drückt, verstimmt sie sich oder der Ton bricht ab.
Ich habe mir angewöhnt, meine Hände kurz in warmes Wasser zu halten, bevor ich anfange. Das lockert die Sehnen. Es ist mein kleines Ritual geworden. Der Hund hebt dann meistens kurz den Kopf von seiner Decke unter meinem Stuhl, seufzt einmal tief und schläft weiter. Er hat sich an die nächtlichen Töne gewöhnt. Die Nachbarin zum Glück auch – nachdem ich ihr neulich im Treppenhaus erklärt habe, dass das mein Anti-Stress-Programm ist, hat sie sogar gelächelt. Sie dachte erst, ich hätte ein altes Radio, das manchmal hakt.
Für jemanden, der so unregelmäßig Zeit hat wie ich, ist ein festes Abo oft schwierig. Wer weiß schon, ob ich nächste Woche vier Nächte hintereinander auf Station bin? Deshalb war für mich der Einmalkauf des Kurses ideal. Falls du aber flexibler sein willst und vielleicht auch mal andere Instrumente ausprobieren möchtest, könnte das Abo von MeineMusikschule interessant sein. Da hat man Zugriff auf viele verschiedene Kurse, was toll ist, wenn man sich noch nicht ganz sicher ist, ob man bei der Ziehharmonika bleibt. Ich bleibe bei meiner Kleinen – wir haben uns aneinander gewöhnt.

Sonntagmorgen in Warnemünde: Der Wind und der Moll-Bass
Heute Morgen ist es wieder so weit. Der Kaffee dampft in meiner alten Tasse, der Wind weht von der Ostsee herüber und drückt gegen die Fensterscheiben meiner kleinen Terrasse. Es ist der einzige Moment in der Woche, in dem ich mir Zeit nehme, um wirklich zuzuhören. Keine Monitore, kein Telefon, nur der Klang der Stimmzungen.
Diesen Sonntag kämpfe ich mit dem Moll-Bass. Er sitzt immer noch nicht richtig. Jedes Mal, wenn ich umschalten will, verliere ich den Rhythmus. Es ist frustrierend, aber auf eine gute Art. Es ist ein Problem, das nichts mit Leben und Tod zu tun hat. Es ist ein Problem, das ich lösen kann, wenn ich nur oft genug übe. Das gibt mir eine Art von Kontrolle zurück, die man im Krankenhaus oft verliert.
Ich merke, wie das Üben meine Stimmung verändert. Früher habe ich nach dem Dienst oft stundenlang Netflix geschaut, nur um die Bilder von der Station aus dem Kopf zu kriegen. Aber das hat mich nur noch müder gemacht. Die zehn Minuten an der Ziehharmonika sind anders. Sie fordern mich, aber sie geben mir auch etwas zurück. Es ist eine Form von Entspannung nach der Nachtschicht, die ich vorher nicht für möglich gehalten hätte.
Ein Blick zurück auf die letzten Monate
Wenn ich an den Tag in Güstrow zurückdenke, muss ich schmunzeln. Ich wusste nicht einmal, wie man das Instrument richtig hält. Ich dachte, die Knöpfe seien kaputt, weil auf Zug ein anderer Ton kam als auf Druck. Inzwischen weiß ich, dass das genau das Wesen der diatonischen Harmonika ist. Sie atmet mit mir.
Mein Fortschritt ist langsam. In den letzten 30 Wochen habe ich vielleicht zwei oder drei Lieder gelernt, die man wirklich als solche bezeichnen kann. Aber das ist egal. Ich will keine Konzerte geben. Ich will nur, dass die Melodie für drei Minuten trägt. Wer tiefer in das Thema einsteigen will und vielleicht mehr Struktur braucht, als ich sie mir selbst geben kann, sollte sich den Testbericht zum Ziehharmonika Anfängerkurs ansehen. Dort ist alles detailliert aufgeschlüsselt.
Was ich gelernt habe: Es ist nie zu spät, etwas Neues anzufangen, das rein gar nichts mit dem Beruf zu tun hat. Man muss kein Profi sein, um Freude an der Musik zu haben. Man braucht nur ein bisschen Mut, ein altes Instrument vom Trödelmarkt und vielleicht zehn Minuten Zeit, wenn der Rest der Welt schon schläft.

Meine Tipps für deinen Einstieg mit über 40
- Hör auf dein Bauchgefühl: Wenn dir eine alte Ziehharmonika auf dem Flohmarkt begegnet, nimm sie mit. Sie muss nicht perfekt sein.
- Vergiss die Noten: Such dir einen Kurs, der mit Griffschrift oder nach Gehör arbeitet. In unserem Alter muss man sich nicht mehr mit Theorie quälen, die einen nur blockiert.
- Kleine Einheiten: Zehn Minuten nach der Arbeit sind besser als eine Stunde Frust am Wochenende.
- Geduld mit den Fingern: Unsere Hände haben schon viel gearbeitet. Gib ihnen Zeit, sich an die neuen Bewegungen zu gewöhnen.
Vielleicht sitzt du ja auch bald an einem Sonntagmorgen mit einem Kaffee da und merkst, dass der Bass-Knopf plötzlich genau da ist, wo er sein soll. Es ist ein kleines Glück, aber es ist ein echtes. Wenn du dir noch unsicher bist, welcher Weg der richtige für dich ist, schau dir mal das Harmonicademy Abo-Modell an. Es ist spezialisiert auf unsere Art von Instrumenten und bietet eine tolle Gemeinschaft von Gleichgesinnten, die auch erst spät zur Musik gefunden haben.
Jetzt ist der Kaffee leer und der Hund wird langsam wach. Zeit, 'die Kleine' wieder in ihre Ecke zu stellen. Bis zur nächsten Nachtschicht. Fang einfach an, es lohnt sich.