
21 Lektionen. Keine einzige davon dauert länger als ein paar Minuten, und genau deshalb ist das der einzige Kurs, den ich nach mehreren Anläufen wirklich durchgehalten habe. Wenn Leute mich fragen, ob eine App oder ein Online-Kurs besser zum Ziehharmonika lernen taugt, fängt meine Antwort genau hier an: bei der Frage, wie viel Struktur ein Kopf verträgt, der nach einer Schicht auf der Kardiologie kaum noch etwas verarbeiten kann.
Warum ziellos drauflosspielen bei mir nicht funktioniert hat
Am Anfang habe ich einfach draufgedrückt, ohne jedes System, weil ich dachte, das kriege ich mit ein bisschen Ausprobieren schon hin. Es hat nicht funktioniert. Nach ein paar Wochen klang meine 'Kleine' immer noch wie eine verletzte Möwe, egal wie oft ich es versuchte. Meine Ziehharmonika ist eine diatonische Ziehharmonika, wechseltönig, das heißt: derselbe Knopf gibt beim Ziehen einen anderen Ton als beim Drücken. Ohne Anleitung ist das kaum zu durchschauen, so oft man es auch probiert.
Bevor es weitergeht, kurz der Hinweis: Dieser Text enthält Affiliate-Links zu Kursen, die ich selbst ausprobiert habe. Bezahlst du darüber, bekomme ich eine Provision, dein Preis bleibt gleich. Auf Station lernt man einen neuen Handgriff nach ein paar hundert Wiederholungen, beim Akkordeon ist das nicht anders, nur dass dir dabei keine Kollegin über die Schulter schaut und sagt, wo genau der Fehler liegt.

Bringt eine App überhaupt Technik bei?
Die ehrliche Antwort ist nein, jedenfalls nicht die Technik, die am Ende zählt. Apps zeigen dir wie in einem Videospiel, welche Taste wann dran ist, und das fühlt sich am Anfang großartig an, weil du sofort eine Melodie zusammenbekommst. Was so eine App aber nicht sieht, ist ob deine Spielhaltung gerade komplett verspannt ist oder ob du den Balg hektisch statt kontrolliert führst. Die Balgkontrolle ist ein eigenes großes Thema, das eine App dir gar nicht zeigen kann, weil sie deine Schultern nicht sieht. Auch warum der Zeigefinger in der zweiten Reihe woanders liegen muss als in der ersten, sagt dir keine App, dazu mehr im Artikel Zweireihige Ziehharmonika Fingersatz lernen.
Ein Kurs, der das ernst nimmt, deckt eine ganze Reihe kleiner Baustellen ab, die bei mir am Anfang niemand angesprochen hat: die Koordination zwischen linker und rechter Hand, ein Gefühl für Taktgefühl und Rhythmus, irgendwann den Wechselbass und die Basslinie in der linken Hand, dazu die Tastenbelegung der zweiten Reihe, die anfangs aussieht wie eine Geheimschrift. Der Einstieg ohne Lehrer ist überhaupt erst möglich, weil es solche Kurse gibt, ganz allein bleibt man dabei trotzdem nicht, wenn man weiß, wo man nachfragen kann.
App oder Online-Kurs: Was für Anfänger wirklich den Unterschied macht
Margret Schüll, eine Leserin aus Lübeck, hat mir neulich eine Sprachnachricht geschickt und gefragt, ob sie mit ihrem Instrument aus dem Pfandhaus überhaupt denselben Kurs nehmen kann wie ich, obwohl ihre Ziehharmonika spürbar schwerer und größer ist als meine Kleine. Genau da liegt der Haken. Der Unterschied zwischen einer zweireihigen Ziehharmonika und einem klassischen Piano-Akkordeon ist ein eigenes Kapitel für sich, aber so viel steht fest: Wer sich das vorher nicht klarmacht, kauft am Ende den falschen Kurs.
Ich habe mir zum Beispiel den Kurs von doormaker angeschaut, wirklich tiefgründig und systematisch aufgebaut, mit klaren Erklärungen zur Balgführung. Nur ist er für das klassische Piano-Akkordeon gedacht, mit Tasten wie beim Klavier, nicht für meine wechseltönige Knopferl-Harmonika. Für Margret könnte das trotzdem passen, für mich nicht. Dann gibt es meineMusikschule, ein flexibles Monatsabo, bei dem man theoretisch auch noch andere Instrumente lernen kann, wenn im Schichtdienst mal Zeit übrig bleibt, was bei mir so gut wie nie vorkommt. Beides sind solide Angebote. Keins davon war auf mein konkretes Instrument zugeschnitten.

Muss ich Noten lesen können, um mit dem Akkordeon anzufangen?
Nein, musst du nicht, und das war für mich die größte Erleichterung überhaupt. Ich kann keine Noten lesen, habe in der Schule nie ein Instrument gelernt und spiele trotzdem inzwischen ganze Stücke. Vieles davon spiele ich nach Gehör, auch wenn es dafür Techniken gibt, die systematischer sind als reines Nachhören, das ist aber nochmal eine andere Geschichte für sich.
Gefunden habe ich das beim Harmonicademy Abo-Modell, weil es sich komplett auf diatonische Instrumente spezialisiert hat. Darin steckt der Ziehharmonika Anfängerkurs mit genau den 21 Lektionen, von denen am Anfang die Rede war. Keine 500 Videos, die einen erschlagen, sondern kleine Häppchen, die auch nachts um eins noch zu verdauen sind. Was ich dort zuerst gelernt habe, war die Ziehharmonika Griffschrift, eine Art Alternative zu klassischen Noten, mehr dazu gehört in einen eigenen Artikel.
Finde den Kurs, der zu deinem Instrument passt
Zwischen zwei Übungsphrasen, wenn ich kurz innehalte, höre ich meist nur das ruhige Atmen des Hundes irgendwo neben mir, kein Zumal-noch, kein Feedback, nur Stille bis zum nächsten Versuch. Genau in solchen Momenten merkt man, ob ein Kurs zu einem passt oder nicht, weil niemand da ist, der einen korrigiert außer die eigene Geduld.
Wie man 'die Kleine' überhaupt vernünftig behandelt, ist übrigens auch so ein Thema für sich, dazu gibt es einen eigenen Beitrag darüber, wie man eine Ziehharmonika richtig lagert. Neulich stand ich unten im Hausflur am Briefkasten, und Ruperta, meine Nachbarin von oben, blieb stehen und meinte, die Blechbüchse, so nennt sie meine Ziehharmonika liebevoll, klinge inzwischen richtig schön. Eine Weile davor hatte sie sich über genau dieses Geräusch noch beschwert. Am Ostseestrand bei Markgrafenheide hat mich vor kurzem übrigens auch jemand darauf angesprochen, weil ich beim Spaziergang leise eine Melodie vor mich hin summte, die ich eigentlich gerade übe.

Meine ehrliche Antwort nach zwei Kursen und einer Handvoll Apps
In meinem Akkordeon lernen für Späteinsteiger Test geht es genauer darum, wie ich als Späteinsteigerin überhaupt herangegangen bin, hier will ich es kurz machen. Wenn du noch gar nicht weißt, ob dir das Instrument liegt, probier zuerst eine kostenlose App ein paar Wochen aus, das kostet nichts und zeigt dir, ob du dranbleibst. Sobald klar ist, dass du bleibst, wechsle zu einem Kurs, der ausdrücklich für dein Instrument gemacht ist, nicht für Piano-Akkordeon, wenn du wechseltönig spielst, und nicht für Klavier-Logik, wenn deine rechte Hand über Knöpfe statt Tasten fährt.
Für mich, seit über einem Jahr mit dieser Ziehharmonika vom Trödelmarkt in Güstrow, war die Kombination aus Anfängerkurs und Abo bei Harmonicademy die richtige Antwort, weil beide genau für mein Instrument gedacht sind und nicht für ein anderes. Musik ist inzwischen der einzige Ausgleich in meinem Alltag, der nichts mit Patientenakten oder Vitalwerten zu tun hat. Wenn du bereit bist, es selbst auszuprobieren, schau dir den Anfängerkurs der Harmonicademy an. Zum Lernen ist es nie zu spät, auch nicht mit müden Fingern nach einer Doppelschicht.