Vorletzten Sonntag saß ich mit der Kleinen auf dem Schoß, acht Monate nach dem Trödelmarkt in Güstrow, und meine Nachbarin wollte endlich wissen, was das für ein Knopf ist, den ich seit Wochen falsch drücke. Ich hab ihr erklärt, das sei der Grundbass, und sie hat mich angeguckt, als hätte ich Latein gesprochen.
Ehrlich gesagt ging es mir am Anfang genauso. Acht Monate Ziehharmonika, und ich hab immer noch nicht alle Wörter im Kopf, die hier unten stehen. Deshalb schreibe ich sie mir jetzt auf – so wie ich mir auf Station auch Abkürzungen notiere, wenn ich neu an einem Gerät bin.
Diese Seite ist mein Spickzettel. Kein Lehrbuch, keine Musikschule – nur die Begriffe, über die ich in den letzten Monaten gestolpert bin, einmal ordentlich sortiert und, wo es ging, gegen echte Quellen geprüft. Wenn du wie ich mit einem alten Fund vom Flohmarkt angefangen hast und nicht weißt, was "Chörigkeit" bedeuten soll: willkommen, du bist nicht allein.
1. Hauptkomponenten des Instruments
Fangen wir bei dem an, was man von außen sieht – die drei Teile, die die Kleine zusammenhalten. Als ich sie zum ersten Mal aus der Tasche gezogen hab, dachte ich kurz, das Ding zwischen Diskant und Bass wäre kaputt. War aber der Balg. Der soll sich so anfühlen.
Ein Akkordeon besteht strukturell aus drei Hauptbaugruppen: dem Diskantteil, dem Bassteil und dem verbindenden Balg [1].
| Begriff | Beschreibung / Funktion | Technische Details |
|---|---|---|
| Balg | Das elastische Verbindungselement zwischen Diskant- und Bassteil. | Erzeugt durch Ziehen und Drücken den notwendigen Luftstrom (Unter- bzw. Überdruck) zur Tonerzeugung [1]. |
| Diskant | Die rechte Seite des Instruments, auf der primär die Melodie gespielt wird. | Ausführung als Klaviatur (Piano-Akkordeon) mit 26 bis 41 Tasten oder als Knopffeld (Knopfakkordeon) [2]. |
| Bass | Die linke Seite des Instruments zur rhythmischen und harmonischen Begleitung. | Verfügt über Knopfreihen, die je nach Modell zwischen 48 und 120 Knöpfe umfassen [2]. |
| Gehäuse | Die festen Rahmenteile (meist aus Holz oder Kunststoff), die die Mechanik umschließen. | Hält Diskant- und Bassteil mechanisch zusammen und dichtet den Luftraum ab; seit den 1920er-Jahren häufig mit Zelluloid beschichtet [3]. |
| Register | Schaltmechanismen zur Veränderung der Klangfarbe. | Kombinieren bzw. schalten die Chöre (Stimmzungensätze) ein und aus [4]. |
2. Fachbegriffe der Tonerzeugung und Mechanik
Und dann die Wörter für das, was im Inneren passiert – warum überhaupt ein Ton rauskommt, wenn ich drücke. Das hat mich am längsten verwirrt. Ehrlich, auf Station bin ich schneller durch ein neues EKG-Gerät durchgestiegen als hier durch die Mechanik.
- Stimmzunge (Durchschlagzunge)
- Ein elastischer Metallstreifen (meist aus Federstahl), der durch vorbeiströmende Luft in Schwingung versetzt wird und so den Ton erzeugt [3].
- Stimmplatte
- Metallplatte (oft Aluminium), auf der die Stimmzungen paarweise – für Zug und Druck – aufgenietet sind [1].
- Stimmstock
- Block aus Holz oder Kunststoff im Inneren des Gehäuses, auf dem die Stimmplatten montiert sind. Er enthält die Kanzellen (Luftkammern) für die einzelnen Töne [1].
- Cassotto (Tonkammer)
- Ein spezieller Resonanzraum im Diskantteil, in den meist nur die tiefen Chöre (16′ und/oder 8′) eingebaut werden. Das dämpft Frequenzen über 1000 Hz und verstärkt den Bereich zwischen 500 und 1000 Hz, was zu einem runderen Klang führt [1] [5].
- Helikonbass
- Besonders große Stimmzungen, die vor allem in der Steirischen Harmonika verbaut werden. Sie erzeugen einen kräftigen, tiefen Klang ähnlich einer Tuba. Die Grundton-Frequenz liegt meist zwischen 48 und 98 Hz (Kontra-G bis G), in Einzelfällen bis hinunter zu 32,7 Hz (Kontra-C) [6].
- Chörigkeit
- Gibt an, wie viele Stimmzungen pro Taste gleichzeitig klingen können. Gängig sind zwei- bis fünfchörige Instrumente [4].
3. Bass-Systeme und Konfigurationen
Und hier häng ich immer noch: die linke Seite. Letzten Dienstag nach der Spätschicht hab ich fünf Minuten versucht, von Dur auf Moll umzuschalten, und bin jedes Mal auf den falschen Knopf gerutscht. Die Finger wollten einfach nicht, nicht nach zehn Stunden Blutabnehmen und Betten machen. Auf Station hab ich für manche Handgriffe auch Monate gebraucht, bis sie im Muskelgedächtnis saßen – warum sollte das beim Bass-Knopf schneller gehen. Hab die Kleine dann zur Seite gelegt und stattdessen hier nachgelesen, welches System ich da eigentlich vor mir hab.
| System | Merkmale | Anzahl Knöpfe (Standard) |
|---|---|---|
| Stradella-Bass (Standardbass) | Feste Reihen für Grundbässe, Terzbässe sowie die am häufigsten gebrauchten Dur-, Moll-, Sept- und verminderten Akkorde [3]. | 48, 72, 96, 120 [2]. |
| Melodiebass (MIII / Free-bass) | Ermöglicht das Spielen von Einzeltönen über mehrere Oktaven auf der Bassseite, analog zum Diskant [1]. | Variiert; oft in Kombination mit Converter-Mechanik. |
| Wechseltönig (Diatonisch) | Erzeugt bei Zug und Druck unterschiedliche Töne pro Taste (typisch für Steirische Harmonika) [3]. | Je nach Modell (z. B. drei- oder vierreihig) [3]. |
| Gleichtönig (Chromatisch) | Erzeugt bei Zug und Druck denselben Ton pro Taste (Standard bei Piano- und Knopfakkordeons) [1]. | Bis zu 120 (Bass) / 41 (Diskant) [2]. |
Der entscheidende Unterschied auf der Bassseite: Bei einer wechseltönigen (diatonischen) Harmonika – typisch für die Steirische – klingt beim Ziehen und Drücken ein anderer Ton pro Taste; bei gleichtönigen (chromatischen) Piano- und Knopfakkordeons derselbe.
Ich bin keine Lehrerin, nur eine, die sich das seit acht Monaten selbst beibringt, Sonntag für Sonntag am Küchentisch. Wenn du mehr willst als Wörter nachschlagen – wenn du es wirklich lernen willst, mit Fingersatz und allem – dann ist eine Musikschule bei dir vor Ort ehrlich der bessere Weg als mein Küchentisch. Ich bleib bei meinem Tempo.
Zuletzt geprüft: 2026-07-12