
Es ist halb eins nachts. Die Kardiologie war heute ein einziges Rennen gegen die Zeit, und meine Beine fühlen sich an, als gehörten sie jemand anderem. In der Wohnung ist es still, nur das ferne Nebelhorn draußen vor Warnemünde und das sanfte, tiefe Schnaufen meines Hundes unter dem Küchentisch leisten mir Gesellschaft. Ich nehme 'die Kleine' aus ihrem Koffer, diese alte, zweireihige Ziehharmonika, die ich für 45 Euro auf dem Flohmarkt gefunden habe, und drücke ganz vorsichtig den ersten Knopf.
Hinweis: Dieser Beitrag enthält Affiliate-Links. Wenn du über diese Links etwas kaufst, erhalte ich eine Provision, für dich ändert sich am Preis absolut nichts. Ich schreibe hier über Kurse, die ich selbst – Woche für Woche, oft müde nach der Schicht – ausprobiert habe. Hier ist meine Offenlegung.
Der Flohmarkt-Fund und die erste Stille
Alles begann letzten November auf dem Trödelmarkt in Güstrow. Das Instrument stand dort zwischen einem verbeulten Kupferkessel und einer verstaubten Briefmarkensammlung. Es sah traurig aus, fast so, als würde es darauf warten, dass endlich wieder jemand Luft durch seinen Balg ziehen lässt. Ich hatte keinen Plan, keine Musikausbildung, in der Schule nie auch nur eine Blockflöte gehalten. Aber für 45 Euro durfte sie mit nach Hause.
Anfangs saß ich einfach nur da. Ich wusste nicht einmal, wie man sie richtig hält. Der Geruch von altem Holz und staubigem Balg schlug mir entgegen, als ich sie das erste Mal aufzog. Es war ein schwerer, nostalgischer Duft, der erst langsam verflog, als ich das Küchenfenster öffnete und die kühle Nachtluft hereinließ. Ich drückte Knöpfe, aber es kam nur Chaos heraus. YouTube-Videos halfen nur bedingt – die Leute dort spielten so schnell, dass meine Augen nicht mitkamen, und sie erklärten Dinge, von denen ich noch nie gehört hatte.
Besonders die Tatsache, dass eine diatonische Harmonika wechseltönig ist – also beim Ziehen ein anderer Ton kommt als beim Drücken –, hat mich fast wahnsinnig gemacht. Es war wie bei einem unruhigen Patienten auf Station: Man denkt, man hat die Routine verstanden, und im nächsten Moment ändert sich alles.

Warum eine Musikschule für mich nicht infrage kam
Ich arbeite im Schichtdienst. Mal Früh, mal Spät, mal Nacht. Wie soll ich da jeden Dienstag um 16 Uhr bei einer Musiklehrerin erscheinen? Das ist unmöglich. Außerdem wollte ich niemanden, der mich bewertet. Ich werde den ganzen Tag bewertet – von Oberärzten, von Patienten, von der Uhr. Wenn ich nachts nach Hause komme, will ich einfach nur diese zehn Minuten für mich haben, in denen ich mich besser fühle als nach einer ganzen Staffel Netflix.
Ich brauchte etwas, das dann da ist, wenn ich Zeit habe. Ob das nun Dienstagvormittag vor der Spätschicht ist oder eben nachts um eins. Ich wollte auch keine Noten lernen. In meinem Alter noch mal Hieroglyphen pauken? Nein danke. Ich wollte Melodien finden, die sich so natürlich anfühlen wie das Greifen nach einer Kanüle – ein reines Muskelgedächtnis.
Irgendwann im Januar, während dieser dunklen, endlosen Januarschichten, suchte ich nach einer Struktur, die zu meinem Leben passt. Ich wollte nicht mehr nur ziellos drücken. Ich wollte verstehen, warum diese 8 Bassknöpfe da links sind und was ich mit ihnen anstellen soll, ohne dass meine Nachbarin wieder an die Wand klopft.
Der Wendepunkt: Struktur ohne Druck
Nach etwa vier Monaten systematischer Suche (und viel zu vielen abgebrochenen Gratis-Tutorials) stieß ich auf einen strukturierten Onlinekurs. Es war der Ziehharmonika Anfängerkurs von Harmonicademy. Was mich sofort ansprach: Es gibt dort 21 Lektionen, die aufeinander aufbauen. Kein Durcheinander, sondern ein roter Faden.
Das Besondere für mich war, dass ich den Kurs wie ein Nachschlagewerk nutzen konnte. Mein Ansatz war von Anfang an: Ich will intuitiv spielen. Aber wenn ich an einem Punkt hängen bleibe – zum Beispiel bei der Umschaltbewegung zwischen Zug und Druck –, dann schaue ich gezielt in die entsprechende Lektion. Das nimmt den Druck raus, einen Lehrplan starr abzuarbeiten. Es ist eher wie eine helfende Kollegin, die man kurz fragt, wenn man bei einer Stationsroutine unsicher ist.
An diesen warmen Julimorgen auf der Terrasse, mit dem Kaffee in der Hand, merke ich, wie viel das ausmacht. Ich sitze nicht mehr ratlos vor der 'Kleinen'. Ich weiß jetzt, dass die zwei Reihen auf der rechten Seite logisch aufgebaut sind. Wenn ich mal nicht weiterweiß, schaue ich mir kurz das Video auf dem Tablet an und probiere es nach.

Die Bassknöpfe und das Loslassen
Mein größter Feind waren die Bassknöpfe. Acht Stück an der Zahl, und jeder schien ein Eigenleben zu führen. Besonders der Moll-Bass hat mich Nerven gekostet. In den ersten Wochen fühlte sich meine linke Hand an wie ein Fremdkörper. Kennst du das, wenn du nach einer Doppelschicht so müde bist, dass sich deine Finger nicht mehr einzeln bewegen wollen? Genau so war das.
Aber dann kam dieser eine Moment – ich glaube, es war an einem Mittwochabend. Ich hatte eine Melodie im Kopf, etwas ganz Einfaches, und plötzlich harmonierte der Rhythmus des Balgs zum ersten Mal mit dem Herzschlag der Melodie. Das war der Moment, in dem das plötzliche Nachlassen der Anspannung in der linken Schulter spürbar wurde. Es war kein Kampf mehr. Es war ein Fließen.
Der Onlinekurs hat mir geholfen, die Koordination zu verstehen, ohne dass ich mich in Musiktheorie verlieren musste. Ich habe gelernt, dass ich nicht perfekt sein muss. Wenn mal ein Ton danebengeht, schläft der Hund unter meinem Stuhl einfach weiter. Er ist der beste Kritiker, den man sich wünschen kann. Er beschwert sich nie über einen falschen Bass.
Wer es lieber etwas flexibler mag und vielleicht auch mal in andere Instrumente reinschnuppern will, für den könnte meineMusikschule Akkordeon eine Alternative sein. Dort gibt es ein Abo-Modell, was für manche vielleicht besser passt als ein Einmalkauf. Für mich war aber die klare Kante der 21 Lektionen genau das, was ich brauchte, um nicht den Faden zu verlieren.
Tipps für den Start am Meer (und überall sonst)
Wenn du auch so ein altes Schätzchen gefunden hast, gibt es ein paar Dinge, die ich auf die harte Tour gelernt habe. In Warnemünde haben wir ja immer diese salzige Luft. Das ist für die Stimmzungen im Inneren gar nicht so ohne. Ich habe mir angewöhnt, die Kleine immer gut wegzupacken. Schau dir dazu mal die Tipps zur Pflege bei Meeresluft an, das gilt eigentlich für jeden feuchten Keller oder jede zugige Wohnung.
- Geduld mit dir selbst: Du bist keine Profimusikerin. Du bist jemand, der sich ein Stück Freude zurückholt.
- Kurze Einheiten: Zehn Minuten nach der Schicht sind besser als zwei Stunden am freien Sonntag, nach denen dir der Rücken wehtut.
- Keine Angst vor Fehlern: Ein falscher Ton auf dem Akkordeon ist kein medizinischer Notfall. Es passiert nichts Schlimmes.
- Die richtige Tasche: Wenn du mal im Garten oder am Strand spielen willst, brauchst du Schutz. Ich habe lange nach der richtigen Tasche gesucht, damit der Sand draußen bleibt.

Mein Fazit nach acht Monaten
Ich bin immer noch keine Musikerin. Wenn mich jemand fragt, was eine Subdominante ist, zucke ich mit den Schultern. Aber wenn ich am Sonntagmorgen hier sitze und eine Melodie drei Minuten lang halbwegs unfallfrei hinbekomme, dann ist das ein Sieg. Es ist ein Sieg über den Stress, über die Müdigkeit und über die Vorstellung, dass man im Alter nichts Neues mehr lernen kann.
Onlinekurse haben mir die Tür geöffnet, weil sie sich meinem Leben angepasst haben, nicht umgekehrt. Sie waren der Lehrer, der um ein Uhr nachts noch geduldig war, wenn ich zum zehnten Mal denselben Griff verpatzt habe. Wenn du auch diesen Wunsch verspürst, einfach mal etwas ganz anderes zu machen als das, was dein Beruf von dir verlangt, dann probier es aus. Such dir ein Instrument, das 'etwas Trauriges' an sich hat, und fang an, es zum Lächeln zu bringen.
Vielleicht startest du ja auch mit dem Anfängerkurs von Harmonicademy – mir hat diese Struktur geholfen, aus dem Chaos eine Melodie zu machen. Und wer weiß, vielleicht hören wir uns ja mal irgendwo zwischen Rostock und Güstrow. Ich bin die mit der kleinen Zweireihigen und dem schlafenden Hund.