
Es ist Sonntag, kurz nach sieben. Der Kaffee dampft in meiner alten Ikea-Tasse, und draußen über der Ostsee liegt noch dieser ganz frühe, silbrige Dunst. Unter meinem Stuhl auf der Terrasse höre ich das leise, rhythmische Schnaufen meines Hundes, der scheinbar auch noch nicht ganz wach ist. Vor mir liegt die Kleine, meine zweireihige Ziehharmonika vom Trödelmarkt in Güstrow, und daneben mein Notizheft. Acht Monate ist es jetzt her, seit ich dieses Ding für 45 Euro aus dem Regal zwischen Kupferkesseln und Briefmarken gerettet habe. Acht Monate, in denen ich gelernt habe, dass Musik viel mehr mit Geduld zu tun hat als mit Talent – genau wie auf meiner Station in der Kardiologie.
Diese Woche war anstrengend. Drei Spätschichten hintereinander, viele unruhige Patienten, das ständige Piepen der Monitore. Wenn ich dann nachts um halb eins nach Hause komme, brauche ich diese zehn Minuten mit den Knöpfen. Aber jetzt, wo es Hochsommer ist, zieht es mich raus. Ich will nicht nur in der Küche oder auf der Terrasse üben. Ich will die Kleine mitnehmen, runter an den Strand von Warnemünde oder in den kleinen Garten meiner Kollegin. Doch wie transportiert man so ein empfindliches Etwas, ohne dass es Schaden nimmt? Ich habe in den letzten Wochen schmerzhaft gelernt, dass eine Plastiktüte oder ein einfacher Jutebeutel für die Stimmzungen lebensgefährlich sein können.
Der Feind im Schuh und im Balg
Letzten Mittwoch, an einem dieser herrlich windigen Nachmittage im Juni, bin ich das erste Mal mit der Harmonika unter dem Arm Richtung Dünen gelaufen. Ich dachte mir nichts dabei. Ein bisschen Wind, ein bisschen Sand – was soll schon passieren? Erst als ich mich in den Strandkorb setzte und die ersten Töne probierte, merkte ich, wie naiv das war. Der Wind trug den feinen Ostseesand überall hin. Und Sand ist für ein Diatonisches Akkordeon wie ein Infekt auf einer geschwächten Station.
Wenn auch nur ein winziges Sandkorn in die Mechanik oder zwischen die Stimmzungen gerät, ist der Ton dahin. Es knirscht, es klemmt, und im schlimmsten Fall verstimmt sich das Instrument dauerhaft. Meine Kleine hat nur 2 Reihen und insgesamt 8 Bassknöpfe, sie ist überschaubar, aber jede einzelne Stimmzunge ist ein kleines Wunderwerk aus Metall. Später zu Hause hörte ich das knirschende Geräusch von Sand auf den Dielen, als ich die Tasche öffnete, und die Erleichterung, dass das Instrument im Inneren sauber geblieben war, war riesig. Aber da hatte ich schon aufgerüstet.

Ich habe gelernt, dass die Luftfeuchtigkeit ein riesiges Thema ist. Idealerweise sollte sie zwischen 40 bis 60 Prozent liegen. Hier an der Küste ist das oft kein Problem, aber die salzhaltige Luft ist wieder eine ganz andere Geschichte. Wer wie ich gerne am Wasser sitzt, sollte sich unbedingt meine Gedanken zum Thema Akkordeon am Meer: Tipps zur Pflege bei salzhaltiger Luft in Warnemünde durchlesen. Es geht nicht nur darum, das Instrument zu tragen, sondern es vor der Umgebung zu isolieren, wenn man gerade nicht spielt.
Warum der alte Koffer im Keller bleibt
Als ich die Ziehharmonika im November kaufte, war ein alter, schwerer Holzkoffer dabei. Er riecht nach Dachboden und Geschichte. Aber ganz ehrlich? Nach einer Zehn-Stunden-Schicht auf Station, wenn meine Finger sich ohnehin kaum noch einzeln bewegen wollen und der Rücken vom Heben der Patienten schmerzt, ist dieser Koffer ein Albtraum. Er hat keine Gurte, man muss ihn einhändig schleppen, und er schlägt bei jedem Schritt gegen das Schienbein.
Das Ziehen in den Schultern, das ich vom Arbeitsalltag kenne, wird durch so ein unhandliches Teil nur noch schlimmer. Ich brauchte etwas, das meine Hände frei lässt – für die Hundeleine, für meine Kaffeekanne oder einfach, um mich mal kurz abzustützen. Ich habe mich deshalb für ein sogenanntes Soft-Gig-Bag entschieden. Das ist im Grunde ein gut gepolsterter Rucksack, der speziell für die Form der Harmonika geschnitten ist. Ein normaler Rucksack funktioniert nicht, das habe ich probiert. Der Druck auf die Knöpfe ist dort zu ungleichmäßig, und das Gehäuse ist nicht stabil genug geschützt.
Ein gutes Gigbag bietet im Vergleich zu Koffern eine viel bessere Stoßdämpfung bei leichten Stößen, weil die dicke Schaumstoffpolsterung die Energie abfängt, statt sie direkt an das Holzgehäuse weiterzugeben. Für jemanden wie mich, der kein Profi ist und dessen Instrument nur 45 Euro gekostet hat, mag das nach Luxus klingen. Aber diese Kleine ist mir inzwischen ans Herz gewachsen. Sie ist mein Ventil nach dem Dienst. Da ist mir der Schutz wichtig.
Der Garten-Trick und die Gefahr der Hitze
Jetzt kommt aber ein Punkt, den ich erst durch einen Fehler gelernt habe. Ich nenne es den "Garten-Trick", auch wenn es eher eine Warnung ist. Während der ersten warmen Tage im Mai dachte ich, ich tue der Ziehharmonika etwas Gutes, wenn ich sie im dick gepolsterten Gigbag mit in den Kleingarten nehme und sie dort im Schatten stehen lasse, während wir gegrillt haben.
Was ich nicht bedacht hatte: Diese Taschen sind oft so gut isoliert, dass sie wie eine Thermokanne wirken. Wenn sich die Tasche einmal aufheizt – zum Beispiel, weil sie doch kurz in der Sonne stand –, staut sich die Hitze im Inneren extrem. Diatonische Harmonikas sind meist aus Holz gefertigt und die Stimmplatten werden oft mit einer Mischung aus Bienenwachs und Kolophonium gehalten. Wenn es da drin zu heiß wird, fängt das Wachs an weich zu werden. Das kann die Stimmung komplett ruinieren oder die Ventile verkleben.
Mein Tipp für kurze Wege in den Garten: Verzichten Sie bei kurzen Wegen in den Garten bewusst auf die gepolsterte Tasche, da der Hitzestau in luftdichten Gigbags bei direkter Sonneneinstrahlung das Instrument stärker schädigt als leichte Stöße. Ich wickle sie dann lieber in ein helles, sauberes Baumwolltuch und trage sie vorsichtig im Schatten. Das Tuch lässt das Holz atmen und verhindert, dass sich die Hitze so extrem staut wie in den modernen Kunststoffgeweben der Rucksäcke.
Ein bisschen wie Routine auf Station
Manchmal vergleiche ich das Einpacken der Harmonika mit der Vorbereitung eines Verbandwechsels. Alles muss seinen Platz haben. Die Gurte müssen ordentlich liegen, damit sie nicht auf die Knöpfe drücken. Wenn ich merke, dass ein Bass-Knopf mal wieder hakt oder ich die Umschaltbewegung zwischen Zug und Druck nicht sauber hinbekomme, atme ich tief durch. Geduld ist alles. Ich lerne gerade erst, was 'Bass' beim Akkordeon wirklich bedeutet – dieser tiefe, brummende Rhythmus, der der Melodie erst den Halt gibt. Es ist wie die Stationsroutine: Wenn der Rhythmus stimmt, läuft der Rest fast von allein.
Ich erinnere mich an einen Moment letzte Woche, es war Donnerstagabend. Ich hatte versucht, eine ganz einfache Melodie drei Minuten lang halbwegs fehlerfrei zu spielen. Es klappte nicht. Mein kleiner Finger der rechten Hand war nach der Schicht einfach steif. Früher hätte ich das Instrument frustriert weggelegt. Heute packe ich es dann einfach ganz ruhig in meine neue Tasche. Ich weiß jetzt, wie man die Akkordeon Tragegurte richtig einstellen muss, damit sie beim nächsten Mal nicht einschneiden, und das gibt mir ein Gefühl von Kontrolle.
Das Gigbag hat mir eine Freiheit gegeben, die ich vorher nicht hatte. Ich kann mich jetzt einfach auf das Fahrrad setzen, die Harmonika auf den Rücken schnallen und zum Molenfeuer fahren. Die gepolsterten Rucksackgurte verteilen das Gewicht so gut, dass meine Schultern nicht schon vor dem ersten Ton protestieren. Wenn man spät im Leben anfängt, etwas Neues zu lernen, das nichts mit Patientenakten oder Vitalwerten zu tun hat, dann ist jeder kleine Schritt ein Sieg.
Vielleicht ist meine Nachbarin deshalb inzwischen auch ruhig. Am Anfang hat sie sich beschwert, wenn ich nachts noch geübt habe. Aber seit ich die Kleine öfter mit nach draußen nehme und wir uns beim Üben im Garten oder am Strand begegnen, lächelt sie manchmal sogar. Es ist eben ein ehrliches Instrument. Es verzeiht keine Hektik. Und in der richtigen Tasche ist es immer bereit für den nächsten Moment, in dem die Welt für ein paar Takte stillstehen darf.
Wenn du also auch gerade erst anfängst und dich fragst, wie du dein Schätzchen sicher von A nach B bringst: Spar nicht an der Tasche, aber denk immer an die Temperatur. Dein Instrument wird es dir mit Tönen danken, die nicht nach Plastik oder geschmolzenem Wachs klingen, sondern nach Freiheit und ein bisschen Ostseewind.